Sie befinden sich hier:  Reiseführer > Friedland | Prawdinsk
Wuchtig: die gotische Georgskirche
Beschaulich: Friedländer Altstadtgasse
Wehrhaft: Andenken an Napoleon
Etwas Geschichte

Die meisten Häuser im historischen Teil von Prawdinsk stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, doch Friedland ist viel älter. Gegründet wurde der Ort um 1335 durch den Brandenburger Ordenskomtur Heinrich Dusemer. Eine pruzzische (natangische) Siedlung gab es hier schon seit mindestens dem 12. Jahrhundert, Dusemer ließ an ihrer Stelle mit Zustimmung von Hochmeister Luther von Braunschweig in geschützter Halbinsellage eine „Stadt von quadratischem Grundriss, mit 28 Hufen begabt nach Kulmer Recht“ anlegen. Sie diente vor allem dem Schutz eines Flussübergangs der Alle – längster Nebenfluss des Pregel – vor den Angriffen der wehrhaften Natanger und Litauer, die hier auch bald einfielen und schon 1347 die junge Stadt Friedland niederbrannten. Darum plante der Orden zunächst den Bau einer Burg – doch dazu kam es nie. Lediglich die zunächst hölzerne Kirche wurde bald in Backstein errichtet. Die wuchtige Basilika St. Georg entstand unverkennbar als Wehrkirche.

Noch lange wehrten die Natanger, der hier seit vorgeschichtlicher Zeit ansässige pruzzische Stamm, sich gegen die Ordensritter, Friedland hatte es in seiner Gründungszeit nicht leicht. Denn ganz in der Nähe, den genauen Ort weiß man heute nicht mehr, befand sich der Tempel Romowe, ein Hauptheiligtum der westbaltischen Völker. Er wurde später vom Deutschen Orden zerstört.

 

Friedland musste, seinem Namen zum Trotz, auch später bewegte Zeiten überstehen – und mehrmals vollständig wiederaufgebaut werden. 1466 wurde die Stadt im Krieg zwischen dem bereits geschwächten Ordensstaat und dem aufstrebenden Preußischen Bund (dem sich die Friedländer angeschlossen hatten) erstmals nahezu komplett zerstört. 1553 brannte sie nieder, nur die Kirche überstand das Inferno. 1656 eroberten die Schweden Friedland und – man ahnt es – fackelten so gut alle der damals 600 Häuser und Hofstellen ab. 1709/10 dezimierte die große Pest die Bevölkerung um zwei Drittel, und im Siebenjährigen Krieg steckten die Russen die Hälfte der Stadt in Brand.

Auch im Ersten Weltkrieg, 1914, besetzte die Russische Armee Friedland. Als man sah, wie sehr dort die Gräber der russischen Gefallenen der Napoleonschlacht gepflegt wurden, blieb die Provinzstadt vor Gewalt und Zerstörung verschont.

Friedländer Spitze
Friedländer Kriegstheater